Sydney, Teil 1

Tag 4

Neben unserem Hotel in Sydney-Rushcutters ist kleiner Park. Dort ist ein Kiosk, die einzige Lokalität in Sichtnähe. Wir hatten Hunger und dachten, mit Käse-Schinkentoast kann man eigentlich nichts falsch machen. Eine Viertelstunde später waren wir 15 Dollar ärmer, dafür war uns schlecht von dem vielen Fett. Aber der Cappucino war gut.

Also los in die Stadt zum Verdauungsspaziergang.

Man hat das Gefühl, die Aussies essen und trinken überall und andauernd. Wo du hinschaust Cafés, Restaurants, Bars, alle sind voll und alle freuen sich über alles. Eine tolle Stadt für Easy Living. Selbstfindung ist erstmal verschoben, hier geht’s nur um Spaß.

Die Oper ist sehr schön, sehr dekorativ und schaut aus wie auf den Fotos. Dito die Harbour-Bridge. Vielleicht fehlt uns noch die nötige Portion Schlaf nach Bangkok und dem 10-Stunden-Flug, um so richtig begeistert zu sein.

Dann haben wir eine Fähre bestiegen. Eigentlich wollten wir ja nach Manly Beach und die Surfer checken. Die Fähre wollte dann aber nicht da hin und hat uns woanders abgeladen. Das war aber nicht schlimm, da war es auch schön.

Wir sind also zu „The Gap“, einer Klippe, von der sich die hiesigen Selbstmörder stürzen. Es sind überall Zäune und Warnschilder, aber anscheinend gelingt es doch immer wieder welchen. Das hat mir ein alter Mann auf dem Schiff erzählt. Nachdem ich dann begonnen hatte, ihn zu verstehen. Am Anfang dachte ich, der spricht bestimmt so eine Aborigine-Sprache, normalerweise kann man die nur sprechen, wenn man nebenbei ein Didgeridoo  bläst. Ich habe freundlich gelächelt und mich gewundert, warum der offenbar meint, ich verstehe ihn. Vielleicht möchte er sich nur aussprechen, dachte ich, und hat gemerkt, dass ich zuhören kann. Na, gute Tat für heute auch erledigt, ich bin ja für viele der Mülleimer, warum also nicht hier auch. Nach einiger Zeit habe ich dann plötzlich Wörter erkannt und gedacht: „ Das klingt ja wie Englisch, bestimmt so ein Lehnwort oder so“. Mit der Zeit wurden es dann mehr Wörter. Bis ich draufgekommen bin, dass ich eigentlich alle Wörter verstehen würde, wenn sie geschrieben wären. Braucht unbedingt noch etwas Gewöhnung, aber dann geht’s schon. Der Mann war ganz begeistert vom Skifahren in USA und fand toll, dass ich in den Alpen lebe. Dann hat er mir das mit den Selbstmördern erzählt und mir erklärt, wenn ich das nicht will, dann soll ich nach der Besichtigung in die örtliche Strandbar gehen und das Leben genießen. Das haben wir dann versucht, aber die Strandbar war so voll von das Leben genießenden Leuten, die nicht Selbstmord begangen haben, dass wir keinen Platz und keine Drinks bekommen haben. Also waren wir dann am örtlichen Kiosk und haben’s richtig krachen lassen und statt Wasser eine Cola vernichtet. Dann sind wir wieder zurück und Andrea wollte ins Hotel. Sie ist wirklich krank und schläft schon die ganze Zeit, während ich mit dem langsamen und teuren Internet rumleide. Blog hochladen muss noch warten. Schuldigung.

Tag 5

Aus irgendeinem Grund habe ich keinen Jetlag. Ich war um halb neun wach, ausgeschlafen und fit. Andrea weniger, sie hustet fürchterlich und hat wohl auch Fieber, was sie nicht davon abhält, einen Besichtigungsmarathon zu absolvieren. Wir haben ungefähr jedes Haus angeschaut in der Stadt, das in dem Reiseführer aufgelistet ist. Manche sind ganz nett, die meisten muss man nicht gesehen haben, finde ich. Highlight war, auf den Fernsehturm zu fahren. Wir haben entschieden, die Brückenbesteigung nicht zu machen, sie kostet 180 AUD, zu teuer dafür, dass man da auch noch selber raufsteigen muss. Die Aussicht über die Stadt ist von woanders auch schön. Z.B. vom Fernsehturm. Die ganze Stadt mit all dem Wasser und den Hochhäusern und die Oper und die Harbour-Bridge unter uns, das hat was. Und sie bringen einen mit dem Lift hoch, man muss nicht an der Fassade raufkraxeln.

Danach sind wir im Botanischen Garten spazieren gegangen. Dort gibt es ganz viele Ibisse, die die Touristen nerven und ihnen das Picknick wegfressen. Die haben überhaupt keine Hemmungen, nah heranzukommen. Der Ibis ist der Spatz Australiens. Nur ungefähr 20x so groß.

Danach haben wir noch das ganze The Rock-Viertel angeschaut, das ist ganz nett, so lauter alte Häuser, die meisten nett renoviert mit Cafés und Shops. Historical. Andrea liebt das.

Abends im Hotel waren dann Julia und Malte da. Ich habe seit heute eine australische Telefonkarte, deshalb hat die sms nicht funktioniert, die sie mir geschickt hat. Meine ist nicht angekommen, weil ich nur Inlandsgespräche führen kann. Am Ende hat mich Sonja angerufen und mir gesagt, dass Julia im Hotel sitzt und auf uns wartet. Irrungen und Wirrungen, aber am Ende war alles gut.

Wir waren dann noch in einer Bar in Kings Cross und haben gequatscht und erzählt. Wir haben uns ja 5 Monate nicht gesehen! Wenigstens finde ich meine Familie hier, wenn schon nicht mich…

Diese Diashow benötigt JavaScript.

One night in Bangkok

  1. Tag

Die Schwierigkeiten mit der Selbstfindung fangen schon in München an. Nicht genug, dass wir um mörderische 8.00 Uhr schon im ICE nach Frankfurt sitzen müssen, was natürlich zur Folge hat, dass ich um 6.00 Uhr aufstehen muss und um diese Uhrzeit ohne Kaffee noch nicht zurechnungsfähig bin. Nicht genug, dass ich deshalb meine Strickjacke im Schrank liegen lasse, wo ich sie mir noch schön hergerichtet habe (mir schleierhaft. Alle Klamotten für die Reise lagen auf einem Stapel. Alle hab ich gefunden. Nur die Strickjacke, das mit Abstand größte Teil, nicht.) Es fiel mir dann am Hauptbahnhof auf, dass irgendwie ein Teil fehlt an meinem perfekten Outfit. Na ja, da ich ja Julias Snowboardjacke anhatte (dringend nötig im australischen Sommer…), habe ich nicht gefroren.

Andrea hätte dann fast den Zug verpasst. Sie hat das Gleis nicht gefunden. Es war zu nah am Eingang. Sie hat nicht geglaubt, dass ein Zug, der nach Nürnberg und dann nach Essen fährt, auch in Frankfurt vorbeikommt. Deshalb ist sie auf dem Bahnsteig rumgeirrt und hat einen anderen Zug mit der gleichen Nummer gesucht. Eine Minute vor Abfahrt hat sie dann doch in Erwägung gezogen, dass der Zug der richtige sein könnte. Alles cool.

Bis Frankfurt. Dann sollten wir unser Gepäck von dem Regal runterholen. Ohne Mann. Hm. Problem. Zu schwer. Wir mussten schon sehr laut sagen: „Da bräuchte man jetzt einen Mann…“, bis sich einer erbarmt hat…Der hat sich dann gleich gewundert, wieso alles so schwer ist. Dabei waren es doch bloß 18 bzw. 22 kg. Kein Problem, Schwächling.

Wir fliegen nie wieder Economy. Im Duty Free haben wir trotz unserer Angeber-Tickets keinen Rabatt bekommen, knausrig, wie die sind. Dafür haben wir in der Business-Lounge fürstlich gegessen und getrunken (na ja, es war dann doch eher ein Snack…). Dort hat ein freundlicher Herr festgestellt, dass ich am Popo einen braunen Fleck habe.

Da zieht man einmal eine beige Hose an! Konnte ja nicht gut gehen! Hab ich mich in Schokolade gesetzt? Wo? Wann? Die Hose ist nagelneu! Heute früh war sie noch sauber! Der Gipfel der Peinlichkeit…

Die Flecken waren dann lila. Wir haben rekonstruiert, dass wahrscheinlich eine von Andreas Frühstücks-Blaubeeren aus der Tüte gerollt ist….

Ich also auf’s Klo und die Hose gewaschen. Mit Seife, mangels was anderem. Zum Glück auch nur an dem Fleck, hinterher fiel mir nämlich auf, dass dies das einzige Flughafenklo der Welt ist, wo es keinen Händetrockner gibt, unter dem man sie trocknen kann. Nur Papiertücher. Jetzt hat es ausgeschaut wie reingepinkelt.

Gott sei dank sind die T-Shirts diese Saison lang genug.

Der Flug war geil. Dauernd kommt wer und bringt tolle Sachen. Zuerst Champagner. Dann Gin Tonic. Dann ein 4-Gänge-Menü, das richtig nach Essen schmeckt mit ordentlichem Rotwein. Dann einen Portwein zur Nachspeise. Ich hab nur noch gegrinst. Lag sicher am Service, nicht an den Getränken….Am Schluss konnte ich nicht schlafen, weil ich die ganze Zeit kichern musste. Dabei hat doch gar keiner was gesagt, ich hatte ja praktisch ein Abteil für mich.

Tag 2

Angekommen in Bangkok. Unser Gepäck war schon da, als wir von der Passkontrolle kamen. Wo gibt’s denn sowas. Wie cool.

Bangkok ist vom Verkehrsinfarkt bedroht. Das Taxi hat sich durch die Autos geschoben, bis wir endlich im Hotel Siam@Siam angekommen sind. Das Hotel kannte ich schon, ich habe da 2008 schon mal übernachtet, unter etwas widrigen Umständen, aber das ist eine andere Geschichte. Wunderschönes, ganz modernes Designhotel mit einem Endlospool im 12. Stockwerk, einer Rooftop-Bar und total coolen Zimmern. Selbstfindung darf auch luxuriös sein.

Wir haben erstmal eine Klongfahrt unternommen. Das Boot hat uns durch viele kleine Kanäle mit malerischen, man könnte auch sagen, bitter armseligen Hütten, aber auch wunderschönen Häusern und Tempelanlagen am Ufer, zum Wat Arun gebracht. Da ist seit Jahren Baustelle, es ist trotzdem beeindruckend.

Danach sind wir zum Wat Pho. Das ist ein riesiger liegender Buddha, 46 m lang, in einem noch riesigeren Tempelkomplex. Den wollte ich unbedingt nochmal besuchen, der hat mich 2004 schon so beeindruckt. Diesmal waren  wegen Hochsaison ein paar Leute mehr da, was den Kunstgenuss und die spirituelle Ausstrahlung etwas gestört hat. Dauernd haben einen irgendwelche Japaner rumgeschubst, die fotografieren wollten. Trotzdem ist der Buddha und die ganzen goldenen und glitzernden Tempelanlagen drumrum ungeheuer machtvoll.

Andrea wusste dann noch den besonderen Service: Am Ende des Geländes ist ein Massageschule, wo die bestausgebildeten Masseure Thailands lernen. Und an wem lernen sie? An uns natürlich. Wir also hin und mussten feststellen, dass wir nicht die ersten waren. Nach einer Stunde Wartezeit dann die Massage. Wow. Der hat so zielsicher meine Verspannungen gespürt, ich hätte schreien können. Wahnsinn, Shades of Grey ist nichts dagegen. Im Gegensatz dazu gab es aber als Happy End nur gelockerte Rückenmuskeln. Das musste reichen als Belohnung für das Leiden. Irgendwas machen die Mädels in Pattaya anders, glaub ich.

Abends sind wir wieder in die Stadt zum Shoppen. Ein bisschen Padpong Road muss sein. Letztendlich waren wir noch in der Lebua Rooftop Bar -spektakulär im 64. Stock, gute Cocktails, tolle Aussicht auf Bangkok bei Nacht –  und haben den Tag ausklingen lassen. Um ca. 11 waren wir dann im Hotel und haben in der dortigen Rooftop Bar noch was getrunken, bevor wir ins Bett gesunken sind. Selbstfindung kann auch anstrengend sein.

Tag 3

Heute früh wurden wir um 5.30 von einem Gesang geweckt, keine Ahnung,was das war. Muezzins klingen anders und wir sind ja nicht im Nahen Osten. Aufgestanden sind wir aber erst um 8 Uhr. Nach dem Frühstück sind wir nochmal zum Wat Pho, wegen der Massage, diesmal eine ganze Stunde. Dieses SM-Treatment, das sie hier Thai-Massage nennen, fängt an, mir zu gefallen. Wo führt das noch hin!

Danach haben wir uns von einem Boot zu einem Floating Market fahren lassen, das hätten wir uns aber sparen können. Da gab’s genau 3 Market-Boote, ansonsten war es die gleiche Strecke wie gestern. Es kann ja nicht alles toll sein.

Die Business-Class im A 767 ist nicht zu vergleichen mit dem A 380. Enger, Sitznachbarn, kleinerer Fernseher, weniger edles Kosmetikset…Man wird anspruchsvoll mit der Zeit. Auch den Gin Tonic haben sie eingespart, vor dem Essen gab es keine Extra-Runde Aperitivs. Und kein Portwein zur Nachspeise. Wie soll ich diesen Flug überstehen? So nüchtern? Selbstfindung kann auch trocken sein.

Weiter geht’s nicht

Australien – Träume von Ursprünglichkeit, uralten Zivilisationen, unbekanntem Brauchtum und grandiosen Landschaften ebenso wie von Beachlife, boomenden Städten und freundlichen Menschen vereinen sich in Gedanken. Vom alten Europa aus gesehen ein Reiseziel, das alles beinhaltet, was hier nicht ist: Endlose Weiten roter Wüste, goldene Strände, exotische Tiere, lässige Menschen, stressloses Leben im immerwährenden Sommer. Was also liegt näher, als Australien zu wählen, wenn die Grenzen des eigenen Lebens zu eng werden? Wenn die Mäander des eigenen Lebensflusses Neuorientierung erfordern, ohne dass offenbar wird, wohin die nächste Biegung einen tragen wird? Wenn unbedingte Freiheit im Denken und Fühlen das erste, notwendigste Ziel ist, aber im strengen Korsett des Alltags nicht mehr ausreichend stattfinden kann?

Weiter geht’s nicht – also auf zu mehr Lebendigkeit und Lebensfreude

Weiter geht’s nicht – also los, an’s andere Ende der Welt, dem Holstee Manifesto folgend:

„Travel often – getting lost will help you find yourself“.

Schauen wir mal, welche Abenteuer warten – innen wie außen

Woooohhhoooouuuu!!

julia_047