Strenge Justiz und bunte Fische

13.5.26

Heute schauen wir uns das koloniale Erbe der Stadt an und beginnen mit dem neuen Justizpalast. Er hat die Form eines Ufos und ragt zwischen alten, kolonialen Bauten heraus am Ufer des Singapore River. Wir spazieren durch kleine koloniale Häuschen hin, werden eingelassen, nicht ohne darüber belehrt zu werden, dass wir nur in der Aussichtsplattform und einigen Seitenräumen fotografieren dürfen, was völlig uninteressant ist. Die Sicht aus dem Ufo ist schön, aber nicht spektakulärer als von anderswo.

Wir fahren mit dem Lift hinauf und mit der Rolltreppe wieder hinunter. Offensichtlich ist hier auch das Familiengericht, was wir den Namen auf den Terminierungen an den Gerichtssälen entnehmen. Im ersten Stock stehen Tafeln mit der Geschichte des singapurischen Zivilrechts, sehr interessant. Ein Hauptziel hiesiger Rechtsprechung scheint es zu sein, zwischen den Parteien einen gerechten Ausgleich zu finden, ähnlich wie bei uns gerichtliche Mediation. Das Jugendstrafgericht ist dem Familiengericht angegliedert, alles, was Familien betrifft, soll über einen Rechtsweg laufen, damit der Richter beurteilen kann, welche Maßnahmen am besten helfen. Dabei sind wohl die Kinder der Hauptfokus, es gibt sowas wie Verfahrensbeistände und Jugendgerichtshilfe bzw. Jugendamt. Insgesamt wohl so ähnlich wie bei uns.

Das Strafrecht in Singapur ist drastisch. Es gibt körperliche Strafen, auch bei kleineren Delikten, bei Schwerverbrechen droht die Todesstrafe.

Jetzt aber genug mit beruflichen Interessen, wir nehmen ein Taxi und fahren zum Mount Faber, wo wir in die Seilbahn nach Sentosa Island einsteigen. Das ist im Wesentlichen ein Vergnügungspark mit allerdings schön angelegten Dschungeltrails und einem riesigen Ozeanarium. Das wollen wir besuchen.

Zunächst verirren wir uns auf dem Trail

und landen bei einer Zipline, die wir heute auslassen. Die freundliche junge Frau dort erklärt uns, wie wir wieder herausfinden und welcher Bus uns zum Ziel bringt. Dort angekommen, schaut es aus wie bei Universal Studios L.A., nur etwas kleiner. Die Studios interessieren uns nicht so, wir gehen direkt ins Aquarium.

Das ist eines der größten weltweit. Angefangen mit Miniquallen, die man nur durch eine Lupe sieht bis hin zu richtig großen Haien und Mantas ist alles da. Die Becken sind riesig, zwei Tunnels führen durch sie hindurch, im größten Raum ist der Wassertank etwa 50 m lang und mit allem bevölkert, was das Meer kurz unter der Oberfläche so zu bieten hat. Korallen geben dem Leben hier Struktur, verschiedenste Fische, einzeln und in Schwärmen schwimmen darum herum und ein Wrack gibt es auch, das mit Flechten und Korallen bewachsen ist.

Andere Räume zeigen das Leben in der Tiefsee, allerdings nicht mit lebendigen Tieren, der Druck und die Dunkelheit, die diese brauchen, sind wohl nicht darstellbar.

Es gibt alles. Hummer, Krabben, Muscheln, Muränen, Fische, Korallen, Seegras, Kelp, man taucht förmlich ab in der Vielfalt. So schaut dann wohl ein lebendiges Riff aus.

Nach zweieinhalb Stunden sind wir durch, schwer beeindruckt und komplett ahnungslos, wo unsere Seilbahn ist. Wir fragen uns durch und finden nach einigem Herumirren die Monorail, die uns zur Seilbahn bringt. Auf der Rückfahrt steigen wir eine Station früher aus, an der Harbour Station, dort gibt es eine Metrostation. So kommen wir schnell wieder in die Stadt.

Gardens by the Bay

12.5.26

Meinen heutigen Geburtstag verbringen wir, wenigstens teilweise, in der Natur. Wir fahren zu den Gardens by the Bay, einem großzügigen Park hinter dem Marina Bay Sands Hotel. Dort erstehen wir Tickets für den Sky Walk, einem Aussichtsweg zwischen den bepflanzten, weltbekannten metallenen Bäumen, von dem man einen tollen Blick über Garten und Skyline hat. Darauf hingewiesen, dass der Weg bei Regen sofort geschlossen wird und nach einem Blick in den Himmel, machen wir uns zügig auf, um die Attraktion noch zu erwischen, bevor es losgeht.

Diese Reaktion erklärt sich allerdings eher aus unserem europäischen Denken, wo der Regen immer kommt, wenn man ihn vermutet. Hier ist das anders. Der Regen kommt den ganzen Tag nicht. Es schaut nur dauernd so aus. Den Skywalk genießen wir bei Trockenheit, danach geht’s zum Indoor-Rainforest mit Jurassic World Ausstellung. Lebensgroße Dinosaurier brüllen uns an zwischen riesigen Farnen und bewachsenen Wänden, ein Wasserfall rauscht neben Archaeopterixen, der Weg  (und der Lift) führt durch urzeitliche Landschaften bis zur Spitze eines Berges und wieder hinunter. Sehr coole Veranstaltung, die Kinder haben ihren Spaß, die Erwachsenen auch.

Wieder draußen, möchten wir gern was trinken, das dafür vorgesehene Lokal ist jedoch völlig überfüllt. Wir wandern Richtung Flower Dome, ein Gewächshaus, das in unseren Tickets enthalten ist. Wir wandern. Und wandern, der Glasbau immer links von uns, bis wir wieder am Ausgang des Cloud Forest angekommen sind und nun doch in das volle Lokal gehen. Danach dann direkt nebenan in den Flower Dome.

Hübsche Pflanzen, sortiert nach Kontinenten, dazwischen kleine Kunstwerke, die zu den jeweiligen Pflanzen passen.

Danach dann Chinatown, wo wir uns tolles chinesisches Essen vorstellen. Ich habe eine Empfehlung für ein Dumpling-Restaurant, in dem ich bei einem früheren Aufenthalt auch schon fantastisch gegessen habe, aber es gefällt dem Ehemann nicht. Zu wenig chinesisches Flair, der Standort Shopping-Mall hat zugegeben nicht so die richtige Stimmung. Nun denn, dann halt woanders, mehr chinesisch, mittelgutes Essen.

Auch China Town ist eher ein Freilichtmuseum mit Souvenir-Shops und Lokalen. Einheimische so gut wie nicht vorhanden, reine Touristenmeile. Der Buddha-Tooth-Relic-Temple, dessen Hauptreliquie ein angeblicher Zahn Buddhas ist (der sich nach neuerer Forschung als Zahn einer Kuh herausgestellt hat), ist geschlossen.

Wir schauen den Sri Mariamman Tempel an, ein hinduistischer Tempel, der von den ansässigen Indern besucht wird, mitten in China Town. Multi Kulti eben.

Multi Kulti

11.5.26

Singapur ist bekannt für seine multiethnische Bevölkerung, die zu knapp 76,8 % aus Chinesen, 13,8 % Malaien, 7,9 % Indern und 1,4 anderen besteht. Das Zusammenleben wird durch ein straffes Strafrecht mit zum Teil drastischen Strafen geregelt, funktioniert aber offenbar gut. Die Stadt ist sauber, der öffentliche Nahverkehr unkompliziert und schnell, die Restaurants gut und das Leben teuer. Die Weltreligionen sind alle vertreten, es gibt natürlich auch kleinere Religionsgemeinschaften, wobei knapp 20 % der Singapurer gar keiner Religion angehören. Ein buntes Durcheinander also, friedlich und wohlhabend, sicher eine gute Stadt zum Leben.

Wir fahren nach Little India, einen Stadtteil, der sofort indisches Flair verbreitet, kaum steigt man aus der U-Bahn aus.

Kleine Häuschen, deren Arkaden mit Geschäften im Erdgeschoss vor der Sonne schützen, lautstark diskutierende Händler, farbenfrohe Stoffe neben technischer Hardware, Obst neben religiösem Opferbedarf und viele Barbershops.

Einen solchen steuern wir an, Lacas Haare brauchen dringend einen Schnitt. Der Barber tut nicht lang rum und lässt die Schere des Frisurdesigners zugunsten des radikalen Langhaarrasierers in der Schublade. Gerade noch kann der so Behandelte verhindern, dass gar nichts mehr bleibt wie es ist, wenigstens am Oberkopf soll noch der Rest einer Elvis-Tolle bestehen.

Insgesamt ist der Kunde jedoch zufrieden, auch wenn er jetzt die Reste seiner 70er-Jahre Langhaarfrisur endgültig geopfert hat. Kurz, leicht, unkompliziert und er hat bis Weihnachten seine Ruhe. Was will man mehr für 4,50 EUR.

Unser Internetproblem können wir auch lösen, wie das Klischee vorgibt, finden wir  einen entsprechenden Laden, wo man uns unkompliziert hilft, alles installiert, geht, super. Wir sind Inhaber von 400 GB (!) Datenvolumen, für drei Tage mehr als ausreichend. Es kann gesurft werden!

So schönheits- und technisch versorgt, sinken wir erschöpft in die Sessel eines nett aussehenden Restaurants, wo wir wunderbares Chicken bzw. Paneer Tikka Masala essen. Gestärkt  machen wir uns auf zur nächsten Kultur.

Die Masijd-Sultan-Moschee liegt mitten im arabischen Viertel der Stadt, das sich ansonsten allerdings im Wesentlichen durch die enorme Dichte von Souvenir-Shops und arabisch-türkisch-libanesischen Restaurants und Cafés auszeichnet.

Die Authentizität bleibt dabei durchaus etwas auf der Strecke. In der Moschee wird Wert auf angemessene Kleidung gelegt und für Touristen ist nur der Randbereich zugänglich. Ein Schild weist darauf hin, dass auf-dem-Teppich-liegen unerwünscht ist, woran sich allerdings kaum einer hält. Das Handy in der Hand an eine Säule gelehnt entspannen sich die Gläubigen hier auch, wie überall, vom stressigen Arbeitsalltag, inwieweit dabei die Religion eine Rolle spielt, ist nicht erkennbar.

Wir kehren in einem der Caf´es ein und trinken eine Zitronenlimonade. Dann machen wir uns auf zum Clarke-Quay, um uns von der Lauferei zu erholen. Da der Busfahrer, der uns dorthin bringen soll, sich allerdings auch nicht auskennt und uns zu früh zum Aussteigen auffordert, laufen wir erstmal weiter. Endlich angekommen, haben wir uns die Drinks schwer verdient. Clarke-Quay ist ein Vergnügungsviertel, das eigentlich erst nach Einbruch der Dunkelheit interessant wird. Nachmittags sitzen einige einsame Touristen in den zahlreichen Kneipen, drinnen oder draußen, nehmen ein paar Drinks,schauen den Ausflugsbooten auf dem Singapur River zu und genießen die Aussicht auf das Marina Bay Sands Hotel.

Da spazieren wir abends auch nochmal hin und nehmen einen Singapore Sling zu uns, wie es sich gehört.