Siena, Florenz und der ganze Rest

6.10.21

Siena ist immer eine Reise wert, auch wenn nicht, wie heute, Markttag ist. Wir Mädels lieben italienische Märkte, jede schnuppert in anderen Ständen nach ihrem Lieblingsschwammerl, den köstlichen Käsen oder Würsten. Dann verlieren wir uns in Windeseile zwischen den Ständen mit Klamotten und Kurzwaren. Ich tigere durch das riesige Gelände, ohne noch eine der anderen zu sehen. Das Meiste ist Billigkram, den man nicht möchte, aber wer geduldig alles durchforstet, wird am Ende fündig. Als ich eine karierte Flanellbluse mein Eigen nenne, rufe ich die anderen an, die schon bei Aperol und Cappu auf der Piazza del Campo sitzen.

Dort angekommen, versuche ich den Kellner zu motivieren, mir auch ein leckeres Getränk zu verschaffen, allein, vergebens. Der Kellner, als er mich nach einiger Zeit dann doch bemerkt, wahrscheinlich aufgrund meines hektisch verzweifelten Winkens, nickt gleichgültig zu meiner Bestellung und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Hat wohl Besseres vor als zu kellnern. Erst als die anderen zahlen wollen, bringt er mir die Rechnung für das nicht existente Getränk und gibt sich verwundert, als ich mich weigere, den Obolus für Auf-der-Piazza-del-Campo-Sitzen zu entrichten.

Eine nahegelegene Eisdiele rettet die Laune und versüßt den Weg zum Duomo, Siena, Florenz und der ganze Rest weiterlesen

Pitigliano oder schon wieder eine Sensation

Unser Ziel heute ist Pitigliano, ein Städtchen in der Nähe des Lago Bolsena, von dem ich noch nie etwas gehört habe. Es liegt auf einem ca. 300 m hohen Felsmassiv aus Tuffstein, das hier übliche Baumaterial, und ist von Canyons umgeben. Schon die Anfahrt ist spektakulär. Durch malerische Sträßchen und Dörfer, dann über die Berge

fahren wir auf die natürlichen Canyons zu, die die Stadt umgeben. Am Straßenrand finden sich zahlreiche Höhlen, wir rätseln, was hinter den Toren versteckt sein mag, die sie verschließen. Es sind wohl die Eingänge zu den etruskischen Wegsystemen, den „Vie Cave“, die vormals in den Tuff gegraben wurden. Einige Tore sind offen und enthüllen wenig spektakulär Autowerkstätten und Materiallager. Dann öffnet sich der Blick auf die Stadt, die gewaltig auf den hohen Felsen liegt.

Der Ort ist fast 1000 Jahre alt und wurde im Jahr 1061 erstmals erwähnt. Seither hat er öfter die Herrscher gewechselt und gehört seit dem 19. Jahrhundert zu Italien. Wir sind beeindruckt von der Kulisse, die aus allen Perspektiven hinreißend ist. In den mittelalterlichen Stadtkern kommen wir über eine kleine Brücke, dann schlendern wir die engen Gassen entlang, genießen den Blick über kleine Lücken in der geschlossenen Bebauung und finden schließlich ein bezauberndes Restaurant unter Arkaden am Hauptplatz der Stadt.

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Da wir uns in einer Trüffelgegend befinden, müssen natürlich Tagliatelle mit Trüffeln sein, außerdem Porcini und für die Fleischesser Wildschweinnudeln. Alles schmeckt wunderbar, der Wein, das Essen und die Aussicht auf die barocke Kathedrale.

Nach einem weiteren Spaziergang fahren wir zum Lago Bolsena, der aus dem Einsturz einer Caldera, einer unterirdischen Magmakammer, entstand. Der See speist sich ausschließlich aus Regen und Grundwasser, er hat nur einen Abfluss, das Flüsschen Marta. Daher dauert es 120 Jahre, bis er sein Wasser ausgetauscht hat. Leider regnet es, so dass die Umfahrung auf der Uferstraße nicht die Aussichten und Schönheiten hervorhebt, die sie bei schönem Wetter bietet. Alle Lokale unterwegs sind geschlossen, die Campingplätze verwaist. Man erkennt, dass es sich um ein wunderbares Erholungsgebiet handeln muss, das jedoch aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit derzeit wenig reizvoll ist.

Wir fahren bis zum Ort Bolsena, den eine riesige Burg dominiert.

Nach einer kleinen Stadtbesichtigung geht es wieder Richtung Heimat, vorbei an Orvieto, das im Abendlicht nahezu überirdisch strahlend vor uns liegt. Da scheint Gottes Plan wieder aufzugehen, diese Gegend als Paradies zu konzipieren.

 

Die Fahrt ist endlos, vor allem, weil wir zu dritt hinten im Auto sitzen. Es ist heiß und eng und unbequem, man weiß nach einer Weile kaum, wo man seine Gliedmaßen noch hinstrecken soll, ohne die anderen zu nerven. Zunehmend tun allen die Glieder weh, wir sind verschwitzt, müde und hungrig. Zum Glück haben wir fürsorgliche Freunde, die uns dafür ein leckeres Abendessen, bestehend aus Schinken, Salami, Käse, Oliven, Trauben und frischem Weißbrot kredenzen. Keiner von uns hätte mehr Lust auf weitere Autofahrten, so dass wir dankbar im Innenhof unseres Agriturismo Platz nehmen und die Delikatessen genießen, zu denen natürlich einige Flaschen des örtlichen Weiß- und Rotweins nicht fehlen dürfen.

 

Der Tag danach

3.10.21

Dank des guten Weins auf der Party und danach klagt niemand beim Frühstück über  Kopfweh. Nach Cappu und Teilchen beschließt ein Teil der Gruppe, nach Monteriggioni zu fahren, ein kleines Städtchen aus dem 13. Jahrhundert in der Nähe. Andere beschließen, die schöne Unterkunft zu genießen und im Garten Bridge (oder war es Canasta?) zu spielen.

Ich bin ja nicht so scharf auf Kartenspielen und kenne Monteriggioni noch nicht, also fahre ich mit. Zu viert steuern wir das Dörfchen an, über Landstraßen wie schöne Frauen: kurven- aber aussichtsreich.  Als der Monte vor uns liegt und den Blick auf die gewaltige Stadtmauer frei gibt, komme ich wieder mal ins Schwärmen.

Wir betreten das Städtchen durch die meterdicken Mauern und stehen sogleich auf dem Hauptplatz, der von Cafés und einer hübschen kleinen Kirche gesäumt wird. Souvenirshops und ein verrückter Schuhmacher leiten unseren Schritt zum anderen Ende, wo wir auf die Mauer steigen, um den weiten Blick über’s Land zu genießen.

Ein klitzekleines bisschen Great-Wall-of- China-Feeling macht sich breit. Beim Besuch der Kirche philosophiere ich mit Zoltán über Religionen im Allgemeinen und im Speziellen, das passt gut in die mittelalterliche Umgebung. Das Kirchlein ist stimmungsvoll und lädt zur Meditation, soviel Zeit nehmen wir uns allerdings dann doch nicht.

Zurück in Casole wartet Tibi schon mit den Resten der Speisen vom Vorabend, die sich natürlich keiner entgehen läßt, zumal die Getränke auch noch nicht ganz vernichtet sind. In sehr fröhlicher Stimmung kehren wir am späteren Nachmittag in unser Haus zurück, wo wir bis zum Abend entspannt die Pool-Area genießen. Einige trauen sich in das eiskalte Wasser, aber nur kurz. Es ist halt auch hier nicht mehr richtig Sommer, das Wasser wärmt sich nicht richtig auf. Gemütlicher ist es, auf der Liege ein Buch zu lesen oder weiter dem Spiel zu frönen.

Abends ist Pizzaessen angesagt in unserer Frühstücksbar, die angeblich die beste Pizza weit und breit serviert. Beim Aperitif verteilt Tibi kleine bezaubernde Keramiken an alle, die er selbst getöpfert hat. Wir sind gerührt, stoßen ein paar Mal öfter an und gehen beschwingt zum Essen. Die Pizza ist legendär, die Stimmung auch.

4.10.21

Ein Teil der Leute muss heute wieder zurückfahren, die Arbeit ruft! Wir glücklicheren Selbstständigen und Rentner bleiben und beschließen, dass die Weinstraße dran ist. Die erste Station ist Montalcino, die Heimat des weltberühmten Brunello.

Am Ortseingang steht eine riesige Burg, deren Innenhof völlig leer ist. Das einzig Sehenswerte ist die Aussicht auf die Toscana, die wir aber jetzt schon ein paar Mal genossen haben.

Wir schlendern durch die Strässchen, eine Enoteca nach der anderen, überall können die Spezialitäten der Region zu enormen Preisen erstanden werden. Wir sind Profis und kaufen nichts, sondern erfreuen uns an der hübschen Architektur. Auf einem der bezaubernden Plätze kehren wir ein und probieren das örtliche Lemon Soda, es ist einfach noch zu früh für Wein.

Weiter geht’s nach Pienza, eine von Papst Pius II. im 15. Jahrhundert als Idealstadt im  Renaissance-Stil geplante Stadt mit einem völlig übertriebenen Papstpalast, dem Palazzo Piccolomini, dessen Fertigstellung er nicht mehr erlebt hat.

Pienza liegt auf dem Weg nach Montepulciano, die zweite Weinstadt, die wir besuchen wollen. Hier kehren wir erst mal ein und genießen Aussicht und Vino Nobile bei Häppchen und Snacks.

Dann steigen wir hinauf zur Piazza Grande, dem mittelalterlichen Hauptplatz des Orts. In irgendeinem Reiseführer steht, dass es sich um einen der schönsten Plätze Europas handeln soll, was zu einer ausgiebigen Diskussion führt. So richtig nachvollziehen kann es keiner, besonders Karen ist ausgesprochen anderer Meinung und tut dies auch lautstark kund.

Von dem ihrer Meinung nach eher scheußlichen Platz laufen wir zurück zum Auto und finden uns bald darauf bei Ili und Tibi ein, die uns zum Abendessen eingeladen haben. Bei Vitello Tonnato und Pasta schwelgen wir in alten Zeiten, immerhin kennen wir uns alle schon fast das ganze Leben.