Skifoan

Es mutet an wie ein Bericht aus einer anderen Zeit und ist doch erst eine gute Woche her. Seitdem hat sich alles in unserem Alltag geändert, die Leichtigkeit unseres Lebens ist erst einmal dahin. Ich sitze daheim auf dem Sofa, weiß nicht, ob ich für andere eine Gefahr darstelle oder eher sie für mich und kann kaum fassen, was um mich herum geschieht. In China ist der berühmte Sack Reis umgefallen, diesmal in Gestalt eines Flughundes oder einer Fledermaus, was weiß ich, egal, und ganz Europa und ein Großteil der restlichen Welt steht unter Quarantäne, die einen mehr, die anderen weniger. Wir in Bayern seit heute eher mehr, wobei sich fragt, ob die Maßnahmen ausreichen, die Seuche zu verlangsamen oder ob das immer noch zu wenig ist. Wie lange das alles dauert, kann im Moment niemand sagen, die Politiker bemühen sich, entschlossen und verlässlich zu wirken und Panik zu verhindern. Die Supermärkte sind in einem Maße leergekauft, wie ich es niemals für möglich gehalten hätte, praktisch alles, was haltbar ist, ist aus, bis hin zu Zahnpasta, Flüssigseife, Linsen und Kichererbsen, ganz zu schweigen von Desinfektionsmitteln aller Art und Toilettenpapier. Im Fernsehen versuchen sie den Leuten klarzumachen, dass Hamsterkäufe nicht notwendig sind, aber keiner glaubt’s. Die Cafés und Restaurants sind mittlerweile auch leer, trotz des traumhaften Frühlingswetters, aber hilft ja nichts. Wir sollen und müssen alle sozialen Kontakte vermeiden, soweit möglich. Vielleicht kann ich meine geschätzten Leser ein bisschen damit unterhalten, dass ich von meinem gefühlte Äonen entfernten, supertollen Skiurlaub berichte. Gut gegen Langeweile, aber – Warnung! – macht auch neidisch.

Mittwoch, 4.3.2020

Gestern schon bin ich abends nach Garmisch gefahren, wo meine älteste Freundin lebt, die uns zu einem Skiurlaub mit dem Alpenverein Garmisch angemeldet hat. Der Bus fährt um 7.30 Uhr am Bahnhof ab, da war es praktischer, gleich bei ihr zu übernachten. Ganz gegen meine Gewohnheit dort habe ich hervorragend geschlafen, das liegt vermutlich daran, dass die Kirchenglocken derzeit in der Nacht abgeschaltet worden sind, was zu erheblichen Unstimmigkeiten in der Garmischer Bevölkerung geführt hat. Was aus Münchner Sicht allenfalls zur Belustigung beiträgt, führt in meiner Geburtsstadt zu schweren ideologischen Auseinandersetzungen. Ein Zuag’roaster hat einen Antrag gestellt, die nächtliche Lärmbelästigung durch viertelstündliches Stundenschlagen abzuschaffen und der Gemeinderat hat zugestimmt. Das verschafft mir nun ruhigen Schlaf, nicht so den Traditionalisten unter den Garmischern, die ihre Souveränität bedroht sehen und Sturm laufen gegen soviel Beeinflussung aus dem hohen Norden.

Wie auch immer, um halb acht packen wir unsere Ski in den Bus und fahren ab Richtung Engadin. Zu meiner Überraschung steigen mein Cousin und seine Frau ein, die ich schon ewig nicht gesehen habe. Familientreffen! Der Busfahrer informiert uns, dass er nicht vorhat, unterwegs zu halten, was bei den Frauen zu etwas Nervosität führt ob der mangelnden Gelegenheit, sich unterwegs zu erleichtern. Die Folge ist kollektiver Kaffee- und Teeverzicht im Bus. Der erste Stopp in Nauders am Reschenpass führt dann allerdings zu fröhlichen Gesichtern, denn das Wetter ist kalt, aber schön, der Schnee glitzert uns entgegen und es scheinen auch nicht sehr viele Leute unterwegs zu sein. Ich habe von diesem Skigebiet noch nie was gehört und bin begeistert. Schon aus der Gondel sieht man lange steile Pisten, die in der Sonne funkeln, wenig Leute und viele Bahnen. Sehr schön. Wir gehen dann erst mal frühstücken, denn so ganz ohne Heißgetränk mögen wir uns nicht in die Kälte wagen. Aber dann!

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Bis nachmittags haben wir alle Lifte durch, mit einer kurzen Mittagspause. Die verbringen wir in der Sonne und unterschätzen dabei die Kälte. Nach Skiwasser und Frittatensuppe frieren wir im Lift erbärmlich, so dass die nächste Jausenstation angefahren werden muss zum Aufwärmen. Aber Österreich lässt uns nicht im Stich. Länger als ein paar Minuten muss man zum Glück nie fahren, um in die Wärme und zum Topfenstrudel zu kommen.

Die Talabfahrt zum Schluss ist ein Genuss, danach kann’s weiter gehen zum Hotel in Zernez im Engadin. Wir beziehen unser Zimmer, relaxen ein bisschen, dann wartet schon das Abendessen auf uns. Wir lernen ein paar von den Mitreisenden kennen, alles sportliche Rentner. Der Ausflug findet in dieser Form jedes Jahr statt, seit sage und schreibe 60 Jahren! Ich glaub‘, manche sind von Anfang an dabei, aber natürlich nicht alle. Jedenfalls geht es ziemlich entspannt zu, man kennt sich.

Wien

Wer sagt, dass man weltweite Freundschaften nicht pflegen kann? Nach unserer tollen Zeit in Südaustralien treffe ich Paulina und Phil in Wien. Sie machen, wie vor zwei Jahren, eine Europareise, auf der Wien die erste Station ist. Natürlich fahre ich hin, das ist ja ein Katzensprung von München aus und die Gelegenheit, meine Freunde zu treffen, möchte ich natürlich nutzen.

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Ich reise am Sonntag nachmittag mit dem Zug an. In der Bahninfo bekomme ich die Auskunft, die beste Möglichkeit, zu meinem Hotel zu kommen, sei mit einem Bus. Dieser macht eine hübsche Stadtrundfahrt, nach einiger Zeit bezweifle ich, dass ich jemals da hinkomme, wo ich hin möchte. Aber doch, am Ende lande ich im Hotel Josefshof. Das mir angebotene Doppelzimmer zur Alleinbenutzung befindet sich im Dachgeschoss, das Fenster ist in die Schräge eingebaut. Ich beschließe, dass ich das nicht brauche, das wahrscheinlich kleinste Zimmer unterm Dachjuché, dazu ist es zu teuer. Also lasse ich mich zum reduzierten Preis upgraden auf ein Deluxe-Zimmer, das den Namen zu Recht trägt.

Warum die Alleinreisenden, die ja den vollen Zimmerpreis bezahlen, immer die schlechtesten Zimmer im ganzen Haus bekommen, ist mir ein Rätsel, aber offenbar weltweit so eingeführt. Das Deluxe ist für minimalen Aufpreis gefühlt doppelt so groß, freundlich, hell und hat noch eine Couchgarnitur extra. Das Bad ist natürlich auch größer und die Fenster gehen über eine ganze Front. So mag ich das.

Ansonsten ist das Hotel super. Der Service funktioniert einwandfrei, die Räume sind schön und im Altwiener Stil eingerichtet, am  Frühstücksbuffet, das ich allerdings nur einmal nutze, gibt es nichts auszusetzen. Die Lage ist perfekt, man kann praktisch alles zu Fuß erreichen. Was einem zu weit ist, findet man über das U-bahn-Netz, die nächste Haltestelle ist wenige Minuten zu Fuß entfernt.

Nachdem das geklärt ist, laufe ich durch die wunderschöne, beeindruckende, super gepflegte und hergerichtete Stadt.

Abends treffe ich  mich mit meiner Wiener Freundin Helga, die ich seit eineinhalb Jahren nicht gesehen habe. Sie hat ein nettes, gut bürgerliches Lokal in der Nähe ausgesucht und wir bequatschen alle Neuigkeiten in unserer beider Leben ausführlichst.

Als ich ins Hotel zurückkomme, stehen Phil und Paulina gerade an der Rezeption. Wir begrüßen uns begeistert, vertagen uns aber auf den nächsten Morgen, sie haben einen langen Flug hinter sich.

9.8.

Zum Glück sind meine Gäste fit. Meine Begeisterung für die Stadt überträgt sich, kein Wunder, sofort. Am Ende sind wir 15 km durch die Altstadt gelaufen, haben über den Opernring und den Graben, vorbei an Hofburg, Lipizzanern und Sisi-Museum den Stephansdom erreicht.

Meine Aussies sind schwer beeindruckt von der Pracht Wiens, der luxuriösen Renovierung fast aller Wohnhäuser und der Schönheit der traditionellen Bauten. Vorbei am Café Demel, wo Touristen Schlange stehen für einen Sitzplatz, umrunden wir den Dom und verlassen den Platz über die Kärntner Straße in Richtung Naschmarkt.

Ein kurzer Zwischenstop im Café Sacher muss sein, wir kaufen ein bisschen Törtchen und finden uns dann am Naschmarkt ein, der meinen Gästen weitere Begeisterungsrufe entlockt. Wir kehren in einem Palatschinken-Restaurant ein, ich möchte ihnen ja die k+k Küche zeigen und rede ihnen die Pizza aus. Dass man Pfannkuchen ohne Backpulver und salzig gefüllt auch essen kann, wussten sie bisher nicht, finden die Idee aber großartig. Ich überrede sie, die Topfenpalatschinken auch noch zu probieren, klar.

Wir laufen weiter Richtung Hotel und kreuzen die Mariahilfer Straße, wo wir ein bisschen herumshoppen. Gegen fünf fallen wir alle auf unsere Betten und erholen uns von den Eindrücken, um dann abends fit zu sein für ein weiteres Mahl im Restaurant „Fromme Helene“, das ich schon von gestern kenne. Das Tellerfleisch ist Legende, die anderen typischen Gerichte lassen ebenfalls nichts zu wünschen übrig.

10.8.

Heute möchten wir etwas weniger laufen. Nach dem Frühstück im nahegelegenen Café Eiles nehmen wir die U-Bahn nach Schloss Schönbrunn. Das Café ist wunderbar, sehr wienerisch und stimmungsvoll, das Frühstück lecker. Nach Melange und frischem Gebäck brechen wir zufrieden auf.

Am Eingang des Schlosses erfahren wir, dass jeden Tag etwa 10.000 Leute Tickets kaufen  und deshalb die Eintrittszeiten minutengenau abgestimmt sind. Die englische Führung beginnt in zwei Stunden, das ist uns zu lang, also nehmen wir die Audio Guides. Auf den Einlass müssen wir so nur eine Stunde warten, bis 12.14 Uhr.

Inzwischen schauen wir den Schlosspark an. Nach französischer Art aufgeteilt und bepflanzt, bestückt mit historisierenden Figuren und Brunnen erholen wir uns auf den streng komponierten Wegen.

Das Schloss selber besichtigen wir mit Scharen von Menschen aus aller Welt, keine Chance, das Tempo des Durchgangs durch die Räume selbst zu bestimmen. Entweder ist eine Gruppe vor einem oder hinter einem oder um einen herum. Die Erläuterungen im Audio-Guide sind kurz, aber ausreichend, wenn man nur einen ersten Eindruck bekommen möchte. Da meine Gäste nicht von irgendwelchen Vorkenntnissen über die österreichischen Kaiser und deren Reich belastet sind, ist das ideal.

Dann fahren wir wieder zurück in die Stadt und schlendern zum Hundertwasser-Haus. Der österreichische Maler hat zusammen mit dem Architekten Kawina ein Haus geschaffen, das die Natur mit einbezieht und den Mietern die Möglichkeit eigener Gestaltung ihres Wohnumfeldes geben sollte. Gebaut wurde es Anfang der 80er Jahre, ziemlich hippy, das Ganze, aber besonders.

Nach einem Spaziergang über das Hundertwasser-Museum im Kunsthaus Wien

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landen wir in der Beach Bar Hermann am Donaukanal, wo wir uns den wohlverdienten ersten Drink des Tages gönnen. Am Ende waren es dann doch wieder 13 km.

Abends kehren wir im „Pfudl“ ein, einem Restaurant, das mir empfohlen wurde vom Gourmet der Familie. Es enttäuscht uns nicht, die gutbürgerliche österreichische Küche in ihrer feineren Version schmeckt wunderbar, vor allem die Zwetschgenknödel am Schluss sorgen für einen gewissen Kalorienüberschuss, aber macht nichts.

Im Hotel verabschieden wir uns, Phil und Paulina fliegen morgen weiter nach Slowenien, ich fahre wieder heim. Wir versprechen uns, uns wiederzusehen, wo auch immer auf der Welt…

Opatija

26.8.

Wir brechen auf Richtung Kroatien. Den Rückweg nach Deutschland wollen wir langsam angehen, es sind doch etwa 1200 km. Unser Ziel heute ist so circa Split, mal sehen, wie weit wir kommen. Die Bucht von Kotor überqueren wir mit der Fähre. Das ist unkompliziert, trotz Anstehen schneller als die Bucht noch einmal zu umrunden. Kurz hinter Herceg Novi dann der Grenzstau. Wir schieben uns langsam nach vorne, es hilft ja nichts. Als wir mittags endlich durch sind, stauen wir weiter zur kroatischen Grenzstation, danach machen wir in Cavtat Mittagspause.

Cavtat ist ein nettes kleines Städtchen mit einem kleinen Hafen in einer Bucht, die Strände sehen auch ganz gut aus, allerdings könnte es sein, dass das Wasser nicht so sauber ist wie man es sich wünscht, es liegen doch eine Menge Motorboote da. Vielleicht gibt es ja noch andere Strände in der Nähe, die nicht unmittelbar am Hafen liegen.

Dann kommen wir in den nächsten Stau vor Dubrovnik. Das kann ja heiter werden, wenn das so weiter geht. Irgendwann wird es besser, wir entscheiden uns, die Autobahn nach Split zu nehmen. Bei Omis fahren wir runter, um uns ein Hotel für die Übernachtung zu suchen. Es ist so gut wie alles ausgebucht, also lassen wir uns auf einen Mann ein, der „Apartmani“ anbietet. Er führt uns ins nahegelegene Dorf, wo wir eine komplette Wohnung für 60.- EUR bekommen, ein bisschen abseits, dafür ruhig. 

Nachdem wir eingecheckt sind, gehen wir noch eine Weile am Strand spazieren, essen Palatschinken zu abend und genehmigen uns einen Drink in einer Strandbar.

27.8.

Noch ein Autotag. Wir brechen ohne Frühstück auf und fahren los Richtung Rijeka. Bis Zadar nehmen wir die Autobahn, die Strecke kennen wir ja schon auf der Küstenstraße. Wir verlieren eine halbe Stunde, weil wir unserem Navi folgen und die Autobahn bei Zadar verlassen. Da wir aber weiter nach Norden wollten, macht das überhaupt keinen Sinn, denn die Innenstadt haben wir ja schon gesehen. Wir drehen um.

Die Küstenstraße schlängelt sich dahin, die Landschaft hat sich total geändert. Es ist wesentlich trockener als im Süden, die gegenüber liegenden Inseln sind wüstenhafte Hügel, die aus dem Meer ragen. Die Berge auf dem Festland sind bewachsen von spärlichen Büschen, ansonsten ist der Boden karstig und die Gegend rauh. 

Wir beschließen, die Brücke auf die Insel Krk zu nehmen, um dort etwas zu finden. Ein Campinggelände liegt am Ende der Straße, wie üblich völlig überfüllt. Das Clubhotel daneben ist ausgebucht, es gefällt uns auch nicht.

Wir kehren um und fahren nach Opatija. Da gibt es wenigstens eine Stadt mit Strandpromenade und Hotels und Lokalen. Nach einiger Recherche im Internet stellen wir fest, dass das Savoy eines der ganz wenigen Hotels mit eigenem Strandabschnitt ist. Der besteht zwar auch nur aus einer Mole mit Liegen drauf, ist aber wenigstens nicht überfüllt. Das Zimmer hat einen schönen Balkon zum Meer hinaus und ist recht groß. Super, alles passt, ein bisschen Luxus zum Abschluss ist ja auch ganz schön.

28.8.

Heute ist mal ein total fauler Tag dran. Vom Autofahren haben wir erst mal genug. Wir stehen spät auf, frühstücken gemütlich und hauen uns auf eine Liege. Da bleiben wir den ganzen Tag, bis auf ein kurzes Eis zwischendurch. Das Meer ist glasklar, ich schwimme ausführlich und lese den ganzen Tag einen Thriller, den ich unbedingt noch fertig kriegen möchte.

Hotelstrand

29.8.

Der Heimweg ist vom Navi veranschlagt mit sechs Stunden. Tatsächlich brauchen wir dann zehn. Bei Altenmarkt steht ein Laster in einem Tunnel, dessen Kardanwelle (was immer das ist) offenbar verbogen ist. Wir reihen uns ein in einen 23 km langen Stau, zwei Stunden geht überhaupt nichts mehr, dann ruckeln wir uns langsam voran.

Als wir abends daheim ankommen, sind wir urlaubsreif.