Madrid

In Madrid gibt  es eine Hieronymus-Bosch-Ausstellung zum 500. Todestag. Da er zu meinen Lieblingsmalern gehört, habe ich beschlossen, hinzufahren und mal so in der Familie rumgefragt, ob wer mitmöchte. Julia, unsere Weltreisende (www.greatyonder.de ), hat sofort zugesagt.

Wir fliegen also Ende August nach Madrid  und quartieren uns in einem netten kleinen Hotel nahe der Oper ein. Von dort entdecken wir die Stadt. Der Opernplatz ist wunderschön, weitläufig und eingerahmt von netten Cafés und Restaurants. Abends stellt ein Mann ein Teleskop auf, durch das man den Saturn anschauen darf, tagsüber eilen Schwärme von Reisegruppen und Touristen über den Platz, alle unterwegs von irgendwo nach irgendwo. Die Atmosphäre ist entspannt und lässig, im August jedoch hält man es vor Hitze nicht lang aus.

Von da aus führt uns der Weg durch die mit Sonnensegeln überdachte Fußgängerzone und einige kleine Sträßchen zum Königspalast, der gewaltig über einer Schlucht thront. Für die Besichtigung ist es schon zu spät, also nehmen wir uns das für die nächsten Tage vor. Heute ruhen wir uns in der Kathedrale  La Almudena aus, die in den 1990er Jahren fertiggestellt worden ist und, nach 100 Jahren Bauzeit, eine interessante eklektische Mischung verschiedener Epochen darstellt. Nach einem gemütlichen Spaziergang um den Palast herum landen wir in den königlichen Gärten, wo wir uns im Schatten der Walnussbäume ausruhen.

Zurück geht es über die Gran Via zur Plaza Real, dort finden wir den Weg in eine der völlig überteuerten und touristischen, aber hübschen Bars und gönnen uns erst mal einen Summer Wine, ein anscheinend weinhaltiges Getränk, dessen Inhalt uns bis zum Schluss verborgen bleibt. Irgendwas Süßes mit Rotwein und Sprudel, aber keine Sangria. Wenig Alkohol (nicht einmal ich habe den bemerkt), sehr erfrischend und lecker.

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In der Dämmerung schlendern wir weiter, durch eine Markthalle mit Ständen, deren Angebot wir am liebsten ganz gegessen hätten. Ein paar Oliven und
Shrimps mit Avocados müssen aber reichen, wir wollen ja noch essen gehen. Die obligate Paella finden wir dann in einer netten kleinen Seitenstraße.

Am nächsten Tag gelten unsere Tickets für die Ausstellung, also müssen wir rechtzeitig beim Prado sein, um unsere Eintrittszeit nutzen zu können. Überpünktlich wie wir Deutschen so sind, sind wir viel zu früh da und werden in den ersten Stock des Gebäudes geschickt, um bei einer umwerfenden Lightshow zu warten. Man betritt einen dunklen Raum, in dem an den Wänden und an einem großen, mittig platzierten Würfel in riesiger Vergrößerung die Gestalten von Boschs „Garten der Lüste“ fortlaufend projiziert werden, dabei bewegt sich das Bild über die gesamte Fläche. Eine Wiederholung der Figuren konnten wir nicht entdecken, zu umfangreich ist das Werk des Künstlers, als dass es in einer halben bis dreiviertel Stunde durchgespielt werden könnte. Wir fühlen uns wie in einem Traum, teils Alptraum, und können den Blick gar nicht umfassend genug wenden, um alles mitzubekommen. Irgendwann geben wir auf, es zu versuchen und lassen einfach die Szenerie auf uns wirken, halb in Meditation und Trance versunken. So macht warten Spaß.

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Als unsere Zeit gekommen ist, dürfen wir  in die Hauptausstellung. Nie war eine größere Zahl der Werke des Meisters auf einem Fleck versammelt. Entsprechend sind wir natürlich nicht die einzigen, die das sehen wollen und schieben uns trotz Zeitmanagement der Museumsleitung mit hunderten Touristen und Einheimischen in etwa zwei Stunden schwer beeindruckt durch die Räume.

Nach einem in Menge und Qualität deutlich hinter dem sonstigen Angebot des Prado bleibenden Sandwich im Museumscafé beschließen wir allerdings, dass das noch nicht gereicht hat. Spinnert wie wir sind, Mutter wie Tochter, finden wir, wenn wir schon mal im Prado sind und wenn Julia das schon noch nie gesehen hat, dann könnten wir wenigstens noch ein halbes Stündchen durch die ständige Ausstellung schlendern….Natürlich halten wir es nicht aus, nur einen Blick auf die Meisterwerke der europäischen Kunst zu werfen. Es werden  zwei weitere Stunden draus, bis wir völlig erschöpft in der Bar gegenüber dem Museum landen und erst mal versuchen, die Eindrücke zu verdauen. Summer Wine hilft dabei enorm.

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Zum Glück ist ja der botanische Garten gleich nebenan und ein schöner Park dahinter. Nach soviel Kunst ist Natur angesagt, so dass wir eine Weile dort herumspazieren, uns ein halbes Stündchen auf den Rasen legen und einnicken, bevor wir die prächtigen Gewächshäuser und Alleen entlang schlendern.

Der Rückweg ins Hotel ist geprägt von mehreren Stopps in Bars und auf Plätzen, um unseren Füßen eine Chance zu geben.

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Am Samstag steht  der Nubische Tempel von Debod an, der am Ende der Gran Via in einem Park steht, umgeben von uralten Bäumen, Wasser und mit einem Ausblick auf die Umgebung von Madrid. Leider ist der Tempel selbst geschlossen, so dass wir uns mit Selfies davor begnügen müssen.

Danach unbedingt der Shopping-Teil der Reise: Die Gran Via verführt uns zum Konsumrausch, der allerdings durch die Gewichtsbeschränkung unseres Handgepäcks im Flugzeug ziemlich gebremst wird. Danach haben wir wieder Nerven für Kultur und beschließen, jetzt den Königspalast anzugehen. Dort erfahren wir an der Kasse, dass für EU-Bürger der Eintritt ab 18.00 Uhr frei ist. Nun, dann kommen wir halt gegen Abend wieder. Bis dahin finden wir noch ein nettes Lokal für den letzten Abend, vielleicht eine Flamenco-Bar.

Den Tag verbringen wir mit Bummeln durch die Straßen, einem Besuch im gebührenpflichtigen Teil des Botanischen Gartens, den wir gestern ausgelassen haben, einigen Summer Wines und Cafés con leche. Ein weiteres Ziel soll eine aufgelassene Tabakfabrik sein, heute ein Kunstareal für die moderne Kunst des jungen Madrid, die „Tabacalera de Lavapiés“. Leider ist auch hier wegen Sommerferien geschlossen, so dass wir nur die Graffiti an den Außenwänden besichtigen können. Diese jedoch machen Lust, wieder zu kommen und die Räumlichkeiten bei einem nächsten Besuch zu inspizieren. Am Ende der Mauer fallen wir erschöpft auf die Terrasse eines sehr einfachen arabischen Lokals, das uns mit unwiderstehlichen Cremes und Aufstrichen Erholung bietet und den Tag verschönt.

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Um 18.00 Uhr kehren wir zum Königspalast zurück, wie sich herausstellt, zusammen mit der halben EU.  War wohl etwas naiv, zu glauben, dass wir da einfach reingehen können. Die Schlange vor dem Eingang beträgt etwa 500 m, es ist nicht absehbar, wie lange das dauern könnte. Nach 10 Minuten und etwa 5 m geben wir auf, gehen ins Hotel, legen ein Ruhepäuschen ein und verbringen den Abend bei Weißwein, Vorspeisen, Meeresfrüchten und Steaks in einem hochgelobten Restaurant, in das kein Tourist sich verirrt. Das ist uns dann doch lieber als die Goldtapeten und antiken Möbel der Royals zusammen mit einem Querschnitt der Völkervielfalt des Kontinents.

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