Venedig

13.7.2017

Vor etwa einer Woche fragt mich Matthias, ob ich Lust habe, mit ihm und einigen Freunden nach Venedig zu fahren. Es findet hier morgen ein Fest statt, bei dem die Leute auf allen möglichen Booten in die Lagune fahren und dort den Abend verbringen, picknicken, Wein trinken und mit einem Riesen-Feuerwerk feiern. Die Festa del Redentore  ist eine Tradition, bei der an die Befreiung von der längsten Pestwelle, die Venedig erlebte, von 1575-1577 erinnert wird.

Klar habe ich Lust. Freunde von Matthias haben ein Boot gemietet und noch einen Platz frei. Also buche ich Zug und Hotel. Wobei Hotel auf die Schwierigkeit trifft, dass Mitte Juli die Stadt mehr oder weniger ausgebucht ist, jedenfalls was einigermaßen bezahlbare Unterkünfte anbetrifft. Ich ergattere über eine Empfehlung das wahrscheinlich letzte Zimmer der Stadt, auf Certosa, einer Insel gegenüber vom Lido.

Im Zug sitze ich neben einer chinesischen Familie. Die Eltern (oder Großeltern, ist nicht so ganz klar) schlafen die meiste Zeit, das kleine Mädchen quatscht ununterbrochen auf Englisch, der Junge schaut aus wie Kim Jong Un in klein und hört zu. Ich komme endlich mal ausgiebig zum Lesen.

Angekommen am Bahnhof Sta. Lucia finde ich erfreulicher Weise sofort den richtigen Vaporetto und kaum eine Stunde später bin ich schon da.

 

Das Hotel ist nett, ruhig, aber total abgelegen. Man erklärt mir, wie ich zu später Stunde, also nach 23.00 Uhr, wieder nach Hause komme: Es geht gar nichts mehr außer dem hoteleigenen Shuttleservice, der allerdings nur von der Station gegenüber  abfährt und den man vorher anrufen muss. Der Weg dorthin ist ein wenig kompliziert, der Empfangschef ist aber der Meinung, alles kein Problem. Na ja, man wird sehen.

Also fahre ich erst mal zu Matthias und den anderen, die mir ein Lokal an einem Canale genannt haben. Dazu brauche ich 2 Vaporetto-Linien, erfreulicher Weise finde ich sie sogar. Nur dass Matthias mir den Weg nicht so ganz richtig beschrieben hat. Und ich erst mal eine Zeitlang in den Gassen der Altstadt herumirre. Und dann zwei nette ältere Herren frage, wo es lang geht. Die mir ungefähr sagen, wo der Fehler lag, mich dann aber am Canale in die falsche Richtung schicken.

Jetzt hilft nur noch Google Maps, das ich bisher vermieden habe, weil mein Akku bedrohlich wenig Ladekapazität aufweist und ich ja noch den Shuttle rufen muss zu nachtschlafender Zeit.

Als die anderen gerade mit den Muscheln fertig sind, komme ich an. Und bin begeistert. Ein zauberhaftes kleines Lokal an einem kleinen Canale, großartiges Essen, wunderbar kalter, perlender Weißwein und die sanfte Wärme des Südens. Dazu diese Kulisse, die, weltweit einmalig, überwältigend und zauberhaft das Auge verwöhnt.

Danach schlendern wir an den Canalettos entlang. Wir nehmen uns vor, die Shuttle-Station zu Fuß zu ergehen und nebenbei die Stadt bei Nacht zu genießen. Das bedeutet, wir bleiben bei jeder zweiten Bar stehen und trinken was, zwischendurch schlendern bzw. je später desto mehr marschieren wir durch die Gassen. Venedig bei Nacht. Ohne Menschen. Ein besonderes Erlebnis. Ich bin todmüde und hingerissen.

Um halb zwei erreichen wir den Landesteg und der Shuttle holt mich ab.

 

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