Redentore

15.7.

Die Ausstellung im Palazzo Grassi, Damien Hirsts „ Treasures from the Wreck of the ‚Unbelievable‘“ ist mein Vormittagsprogramm.

Es geht um einen Schatz, der vor einigen Jahren aus einem Schiffswrack gehoben wurde. Das Schiff gehörte einem ehemaligen Sklaven, der Kunst aller Art gesammelt und auf ein Schiff gebracht hat, das vor 2000 Jahren im Indischen Ozean gesunken ist.  Die Artefakte wurden teils restauriert, teils kopiert, teils zeigt die Ausstellung Replika der Gegenstände, so wie sie gehoben wurden, teils Rekonstruktionen der gereinigten Schätze. Die Geschichte der Bergung illustrieren zwei Filme, sehr interessant und geheimnisvoll.

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Alles toll und beeindruckend, ehrfürchtig wandere ich durch die historischen Säle mit der hohen Kunst, bis ich zu diesen Artefakten komme:

Irgendwas stimmt hier nicht.

Am Abend erfahre ich die Wahrheit: Es gab weder den Sklaven, noch das Schiff, noch den Schatz. Alles erfunden und hergestellt von Damien Hirst. In der Ausstellung selbst weist nichts auf die Täuschung hin, außer Micky Maus und Co.. Tolle Geschichte. Total irre Idee, passt gut nach Venedig, die Stadt changiert ja ständig zwischen Kitsch und Kunst und Wahrheit und Kopie.

Gegen Abend laufen wir zu Matthias (auf dieser Reise heißen drei der vier Männer Matthias), der unser Boot vorbereitet hat. Dort wird es mit Speisen und Getränken beladen. Nach einer Pause in seiner Werkstatt  steigen wir ein und fahren in die Lagune, bepackt mit Unmengen Bier, Wein, Prosecco und Wasser, dazu feinstem Parmesan, diversen Salate und Broten.

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Wir ankern gegenüber den Podesten, von denen aus das Feuerwerk gezündet werden wird. Nach und nach kommen unzählige Boote, Yachten, Motorboote, Segelboote und gruppieren sich um uns herum.

Das Ufer ist  bevölkert von Leuten, die nicht das Glück haben, ein Boot zu besitzen. Alle essen, trinken, tauschen ihre Speisen, feiern das Ende der Pest, den Sommer und sich selbst und warten auf den großen Moment: um elf Uhr startet ein Riesenfeuerwerk, der Himmel brennt und glitzert, die Knaller werden von der Häuserfront auf beiden Seiten der Lagune zurückgeworfen, so dass es klingt wie eine Begleitung im Takt durch riesige Trommeln. Fantastisch, einmalig, ein seltenes Erlebnis, so etwas mitten drin und vom Wasser aus zu sehen.

Da spielt es schon keine Rolle mehr, dass es auf den Booten keine Toiletten gibt und die Frauen sich mit einem Eimer behelfen müssen. Wohl der, die ein Kleid anhat.

16.7.

Wir  treffen uns in einem Café an der Via Garibaldi zum Cappuccino. Ein letzter Spaziergang entlang der Promenade, dann bringt uns ein Vaporetto zum Bahnhof.

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