Fidels Welt

Prolog

Es hat ja nun etwas länger gedauert seit  der Ankündigung einer Fortsetzung. Das lag aber nicht daran, dass wir zuhause geblieben sind, sondern daran, dass es in Kuba so gut wie kein Internet gibt. Das heißt, es gibt schon eines, aber nur an 35 Spots im ganzen Land und die musst du erst mal finden. Manchmal findest du auch einen, aber du hast keinen Zugangscode, der nur an bestimmten Stellen und nur zu bestimmten Zeiten und nur für eine halbe oder höchstens eine Stunde zu kaufen ist. Auch diese Stellen musst du erst mal finden, zur richtigen Uhrzeit, mit dem Reisepass dabei und genügend Kleingeld, denn wechseln können die nicht. Die Zugangscode-Karten gibt es übrigens so gut wie nie da, wo es WiFi gibt. Immer woanders. Wäre sonst wohl zu einfach. Oder nicht revolutionär genug. Oder du hättest nicht das „hasta la victoria siempre“-Gefühl, wenn du es geschafft hast, eine  Karte zu ergattern und den WiFi-Spot zu finden und das in der richtigen Reihenfolge und zur richtigen Uhrzeit. Hommage à Che. Der ist sowieso omnipräsent, das hätt’s also gar nicht gebraucht, um einen an den zu erinnern: Postkarten in allen Lebenslagen, Wandbilder, Malereien, Sprüche, Parolen, allüberall Che, an jeder zweiten Hauswand sowieso. Fidel dagegen sieht man eher selten. Wohl nicht schön genug.

Also, jetzt kommt dann der Bericht.

  1. Tag

 

Fidel, wir kommen

Es geht los. Morgens um mörderische 7.00 Uhr sitzen wir in der S-Bahn, um 12.00 sitzen wir in der Lufthansa Business Lounge in Frankfurt. Vorbereitung auf den real existierenden Sozialismus.

Der Flug ist unkompliziert, wir trinken und essen alles, was sie uns hinstellen: Champagner, Gin Tonic, Vorspeisen, Rotwein, Fisch mit Gemüse, Nachspeise…Dann schauen wir einen Film an und schlafen eine Runde, bevor es den nächsten kulinarischen Overkill gibt.

Angekommen in Havanna nehmen wir ein Taxi. Unsere Versuche, den Preis auszuhandeln, scheitern an der Sturheit der örtlichen Taximafia. Na gut, also zahlen wir halt. Unser Hotel Palacio o’Farill , ein nettes kleines Hotel im Kolonialstil in der Innenstadt, in fußläufiger Entfernung zu allen Sehenswürdigkeiten, ist ein bisschen marode. Leider ist es sehr laut, gegenüber ist ein Lokal, in dem sie Fidels 89. Geburtstag lautstark feiern und im Morgengrauen, kaum hab ich die Oropax rausgenommen, kräht ein Hahn, der auf dem Dach nebenan wohnt. Wo kräht schon mitten in der Großstadt ein Hahn? Kuba ist anders, deshalb sind wir ja hier.

2. Tag

Havanna

Wir sind natürlich viel zu früh wach, frühstücken um ½ 8 im wunderschönen Patio des Hotels. Dann ziehen wir los, zuerst zur Plaza des Armas, dann zur alten Kathedrale, vorbei an einem der vielen Hotels Hemingways durch modernde Gässchen, vorbei an rausgeputzten Gebäuden neben völlig verkommenen wunderschönen Altbauten, an Touristen, Einheimischen und noch geschlossenen Bars, gestreichelt von einer schon früh wahrnehmbaren Hitze. Die Kathedrale wird gerade renoviert, man sieht von außen nichts, innen ist sie auch mit Gerüsten zugestellt, also in ihrer Schönheit nicht wirklich erkennbar. Da leistet eine deutsche Firma ganze Arbeit.

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Beim Museum der Revolution lassen wir uns überreden, eine Stadtrundfahrt mit einem Oldtimer zu machen. Der Typ quatscht uns nieder, aber das schrillpinke Cabrio ist toll. Er will unbedingt wissen, was wir von den Amis halten, die ja jetzt hier einziehen, zeigt uns die nagelneue Botschaft und fragt, was ich davon halte. Na ja, sage ich, es werden sich Dinge ändern, manche zum Guten, manche zum Schlechten. Es wird Geld ins Land fließen, die Frage ist, ob es bei der Bevölkerung ankommt. Die amerikanischen Touristen werden anspruchsvoll sein und den Tourismus verändern, der bisher  noch ganz gemütlich ist.

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Erkennbar ist, dass die Leute hier überhaupt keine Vorstellung davon haben, wie wir leben. Sie sind so abgeschnitten von allem, dass jede Information gierig aufgesaugt wird. Internet existiert erst seit Jahresanfang für die Leute, sowas wie LTE liegt noch außerhalb ihrer Vorstellungskraft. Der Mann beklagt vor allem, dass er die Insel noch nie verlassen konnte, er wünscht sich, einmal Schnee zu sehen und dass seine kleine Tochter dereinst reisen kann.

Er fährt mit uns zum gegenüberliegenden Fort mit spektakulärem Blick auf Havanna, zum Haus von Che, dann noch zum Zentralfriedhof, wo nach seiner Aussage Christoph Columbus liegt, dessen Grab meines Wissens in Sevilla ist oder in der DomRep, je nachdem, welcher Theorie man folgen möchte. Deshalb finden wir es auch nicht. Wir suchen auch nicht allzu lang, stehen alle kurz vor dem Hitzschlag, zwei Stunden Cabrio über Mittag in sengender Sonne und dann der Friedhof mit lauter Marmor. Ruben kehrt bald um, er meint, das Grab muss irgendwo dahinten liegen, der Friedhof sei einfach zu groß. Höflichkeitshalber „suchen“ wir noch ein paar Minuten.

Dann fahren wir noch  zu einem Stück Dschungel bei einem Vorort, an einem Fluss. Dort treffen wir einen Yamuna-Priester mit Gefolgschaft, der gerade sehr viele Hühnerfedern und Blut in einem Topf anrührt und nicht sonderlich erfreut ist über unser Kommen. Allerdings erkennt er den Guide „Ah! Mr. Havana!“ und dann ist er wieder ganz freundlich und ich darf ein Foto mit ihm machen.

Ruben macht überhaupt gern Fotos. Dauernd reißt er mir die Kamera aus der Hand, Sonjas Iphone6 gefällt ihm auch, und fotografiert uns in jeder Lebenslage. Er zeigt uns die reicheren Vororte Havannas und ist ganz überrascht, dass uns die Innenstadt besser gefällt. Alles eine Frage des Blickwinkels, natürlich ist es touristisch attraktiver, die maroden alten Häuser anzuschauen als renovierte Villen am Stadtrand. Wo man lieber leben möchte, ist eine ganz andere Frage.

Nach der Mittagspause sind wir allein und gehen zu Fuß weiter.

Das Kapitol wird gerade renoviert, wer hätt’s gedacht, man muss doch mitkommen mit den Amis. Als unsere Blasen an den Füßen alle offen sind, nehmen wir eine Fahrradrikscha und fahren zum Hotel Nacional.  Daiquiri auf der Terrasse mit Blick über Havanna ist die Belohnung für die Mühen des Tages.

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Zurück geht’s mit einem Coco Taxi, sowas wie ein Tuktuk in Eiform, der  Taxameter zeigt nach 5 Minuten 17.- an, irgendwas stimmt da nicht mit den Preisen. Ich denke, der Taxameter war auf CUP geeicht, die Währung für die Einheimischen, der Fahrer hat aber gnadenlos in CUC abgerechnet, der Währung für die Touristen. 1 CUC = 1 EUR = 25 CUP. Na ja, erster Tag und noch keine Ahnung, wir sind halt gleich mal in die Falle gegangen. Hat er halt mal Glück gehabt, der Gauner.

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