Ushuaia

28.2.

Ein Muss ist natürlich die Fahrt auf dem Katamaran durch den Beagle-Kanal. Das Boot geht erst nachmittags, deshalb können wir ausschlafen, gemütlich frühstücken und dann die örtlichen Museen besuchen. So der Plan. Es gibt hier ein Antarktis-Museum, in dem man mit einer virtuellen Brille über die Antarktis fliegen kann, das wollen wir auf jeden Fall anschauen.

Leider ist geschlossen, als wir ankommen und wieder geschlossen, als wir  es später nochmal versuchen. Also schauen wir das historische Museum an. Das entpuppt sich als Ansammlung von Zimmern in Originalmöblierung Anfang des 20. Jahrhunderts, mit spanischsprachigen Erklärungen dazu. Die Verbrechen von ein paar Gefangenen sind in Englisch beschrieben, bei einem bestand der dringende Verdacht, dass er aufgrund seiner sehr abstehenden Ohren so böse war. Nach der Operation starb er dann wenige Wochen später in einer Schlägerei. Wir sind in 10 Minuten durch.

Also bummeln wir durch die Stadt und suchen ein vegetarisches Restaurant. Wir essen zu Mittag, die Kost ist ziemlich gesund, der Sinn des Gebrauchs von Kräutern und Salz offenbar noch nicht bis hierher vorgedrungen. Gourmets hätten hier nicht viel Freude, fürchte ich.

Dann geht’s auf’s Schiff.

Wir schippern hinaus aus der Bucht, umgeben von schroffen Bergen, in deren Höhen Gletscher ums Überleben kämpfen. Die Baumgrenze liegt bei etwa 650 m, darüber blanker Fels und Schnee. Die Temperatur beträgt hier im Sommer so um 10-15 Grad Celsius auf Meereshöhe, im Winter etwa null Grad. Dadurch, dass die Unterschiede nicht so groß sind, bleibt Schnee liegen, jedoch schmelzen die Gletscher auch hier, wie überall. Wir sind ja auch gestern schon über Geröll gelaufen, das ehemals eisbedeckt war, so kann man das überall beobachten. Nichtsdestotrotz ist es wunderschön, verzaubert.

Der Kat bringt uns an eine kleine Felsinsel, auf der Kormorane leben. Aus der Ferne sehen sie aus wie Pinguine, schwarz-weiß, es sind aber flugfähige Vögel, die zu Hunderten aufsteigen, als das Schiff sich nähert.

Ein Stück weiter kommen wir zu einem von Seelöwen bevölkeren Eiland. Sie liegen neben- und übereinander, gleiten gelegentlich ins Wasser und lassen ansonsten den lieben Gott einen guten Mann sein.

Der Leuchtturm am Ende der Welt weist uns den weiteren Weg.

 

Die Reise durch den tiefen Süden ist atemberaubend. Die Berge zackig und dunkel, manche kleine Inseln ganz von leuchtendgrünem Moos bedeckt. Die Sonne beleuchtet ausgewählte Bergspitzen, der Rest versinkt in Schwärze. Sehr dekorativ.

Unser Ziel ist ein aus dem Wasser ragendes Inselchen, das eine Pinguinkolonie beherbergt. Hunderte von Brillenpinguinen chillen im eisigen Südwind am Strand, zwei Königspinguine putzen sich ausführlich auf einer Anhöhe und blicken über das niedere Volk. Andere watscheln über den Fels, stehen zusammen und trennen sich wieder. Eindeutig ein Highlight.

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Beim Rückweg begleitet uns ein Buckelwal, zuerst sehen wir nur die Fontäne, dann taucht der Riese aus dem Wasser. Alle rennen auf eine Seite, zum Glück ist unser Schiff ein Katamaran. Der Wal lässt sich nicht beeindrucken und zieht seine Bahn, bis er am Ende abtaucht und verschwindet.

Der Wind ist stark und eisig. Wir setzen uns in die Kabine und trinken Kaffee. Uns gegenüber sitzen ein paar kolumbianische Damen, alle über 70, mit denen wir uns köstlich amüsieren. Als sie hören, dass wir aus Deutschland kommen, erzählt uns eine von ihrem deutschen Lover (vor 50 Jahren), den sie ein halbes Jahr geliebt hat, bis sie draufgekommen ist, dass er andernorts noch eine Familie mit Kindern hat. Sie hat ihn sofort rausgeworfen. Das erzählt sie so plastisch (auf Spanisch), dass wir uns kaputtlachen über die Männergeschichten aus alter Zeit.

Nach unserer Rückkehr kehren wir in dem von TripAdvisor empfohlenen Restaurant „Tante Sarah“ ein und geben uns Hamburger, die allerdings staubtrocken sind. Dafür sind sie teuer.

 

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