Tigre: Im Delta des Rio de la Plata

14.3.

Vormittags noch ein wenig Pool, dann Flug nach Buenos Aires. Am Flughafen das übliche Chaos: Keiner weiß, welche Schlange jetzt die richtige ist, die Hälfte der Leute wird wieder weggeschickt, weil sie noch bezahlen müssen (wg. Flughafen Checkin!), ich fürchte schon, dass ich den Flieger verpasse und alle anderen fürchten auch. Dann schicken sie uns zum Gate 2, schnell, schnell, Boarding in 10 Minuten, die Sicherheit muss auch noch durch, wieso steht jetzt auf der Anzeige Gate 1, also gehe ich mal dahin, da pfeift mich sofort ein Sicherheitsmensch zurück, also doch Gate 2, aber dann müssen plötzlich doch alle zu Gate 1, na ja, irgendwann sitzen dann, zu aller Überraschung, doch alle im Flieger und es geht los.  Andes Airlines werde ich in Zukunft vermeiden.

Angekommen in B.A. kann ich meine Spanischkenntnisse gleich ausprobieren. Im Taxi ist kein Taxameter. Ich frage nach, er erklärt mir irgendwas von wegen ich kriege eine schriftliche Rechnung und es seien ja zwei Fahrten, weil ich in meinem vorherigen Hotel noch mein Gepäck holen möchte. Ich erkläre, dass mich seine Rechnung nicht interessiert, aber der Preis schon. Der ist ungefähr doppelt so hoch wie ich erwartet habe. Ich steige mitten auf der Straße aus und winke ein ordentliches Taxi herbei, das mich für die erwartete Summe erst zum Hotel, dann in den Stadtteil Palermo mit seinen netten Kneipen und dem coolen Nachtleben bringt. Mit dem Fahrer plaudere ich mich durch den Stau, es ist erstaunlich, wie das läuft mit der Sprache, wenn es nicht anders geht. Wir reden über alles Mögliche und irgendwie verstehen wir uns. Vor allem, als es anfängt zu hageln, zu blitzen und zu donnern.

15.3.

Heute versuche ich, auszuschlafen, was mir leider überhaupt nicht gelingt. Nachts tobt ein Sturm und die Rollos scheppern lautstark. Als der Sturm sich endlich legt, schlafe ich ein, bin aber um sieben wieder wach. Also trödele ich noch ein bisschen im Bett rum und stehe dann auf, um nach Tigre zu fahren, wo man das Delta des Rio de la Plata erleben kann.

Ich finde den richtigen Bus und fahre durch die Vororte von Buenos Aires. Bei dieser Fahrt wird mir erst bewusst, wie riesig die Stadt eigentlich ist. Wir fahren und fahren und kommen nicht an, die Häuser werden niedriger, die Gegenden wechseln zwischen hässlich und ganz nette Wohngegend, aber es nimmt kein Ende. Schließlich sind wir irgendwo im Nirgendwo angekommen. Ich versuche, mit dem Busfahrer zu kommunizieren, der aber offenbar überhaupt keine Lust hat, wegen einer blöden Touristin langsamer zu sprechen. Ich verstehe im Wesentlichen Bahnhof, aber destilliere aus dem Wortschwall heraus, dass wir an der für mich relevanten Station längst vorbei sind und hier Endstation, alles aussteigen, ist.

Also steige ich aus. Taxis gibt es hier nicht. Die gegenüberliegende Bushaltestelle könnte hilfreich sein. Ich erkundige mich, ob der nächste Bus auch wirklich da hinfährt, wo ich hinwill. Mein Spanisch wird immer besser.

Am kleinen Hafen von Tigre angekommen, suche ich die Touristeninformation. Dort schickt man mich zu einem Stand, den es, wenn überhaupt, nur am anderen Ende des Deltas geben kann. Also buche ich woanders eine Katamaranfahrt durch die Windungen des Rio de la Plata. Auf meine Frage, ob es auch kleinere Boote gibt, die einen durch die Nebenflüsschen bringen, erklärt mir die freundliche Dame, das sei nicht nötig, die Landschaft sei ja schließlich die gleiche. Nun ja, Diskussionen über die Schönheiten unberührter Natur haben wohl wenig Sinn hier und übersteigen meinen Wortschatz.

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Die Fahrt ist hübsch, auf den Inselchen zwischen den Flüssen stehen viele schnuckelige Häuser und kleine Villen, eine Schule, in die die Kinder mit dem Boot gebracht und geholt werden, gibt es auch.

Nach zwei Stunden komme ich wieder an und suche den berühmten puerto des frutos. Dort gibt es entgegen meiner Annahme allerdings kein Obst, sondern eine Menge Souvenirgeschäfte und Einrichtungsläden.

Ich trinke einen Kaffee und mache mich im Tren de la Costa auf den Heimweg. Dieser fährt durch endlose Villenvororte, hübsch anzuschauen. Man bezahlt mit der Sube, einer aufladbaren Karte, die für alle öffentlichen Verkehrsmittel gilt. Wenn das Guthaben aus ist, kann man sie überall nachladen zu jedem beliebigen Betrag. Superpraktisch, superbillig. Pro Fahrt kostet der Spaß 7,50 ARP, das sind 0,3 EUR. Da ich bis zur Plaza Italia zweimal umsteigen muss, bezahle ich also knapp einen Euro für etwa eineinhalb Stunden Fahrt.

Abends treffe ich Ralf, der auch morgen heimfliegt. Wir feiern den Abschied von Argentinien in einem stimmungsvollen Weinlokal bei Rotwein und Tapas.

 

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