Buenos Aires

23.2.2018

Buenos Aires begrüßt mich mit Wärme und Sonnenschein, das ist bitter nötig nach den eisigen Wochen daheim, wo der Winter nicht aufhören mag. Der Bus der Firma Tienda Leon bringt mich zum Retiro – dem Busterminal in der Stadtmitte, von dort aus fahre ich mit einem kleineren Wagen weiter bis zum Hotel. Das Ganze kostet 14.- €, wobei der Privatshuttle 3.- € ausmacht. Es scheint die sicherste und schnellste Möglichkeit zu sein, in die Stadt zu kommen, also alles richtig gemacht. Im NH Hotel Latino bekomme ich ein riesiges Zimmer mit Erker und Fensterwand.  Fängt gut an, die Reise.

Meine Aufgaben für heute: Geld wechseln, eine SIM-Card besorgen und ein bisschen die Stadt kennen lernen.

Ich wohne anscheinend im Bankenviertel, jedes zweite Haus ist ein Geldinstitut. Was nicht heißt, dass die Geld hergeben. Die ersten drei schicken mich kommentarlos weg, „no change“.  Die anderen geben nur Kunden Geld „solo clientes“. Ausländer kriegen nur in privaten Wechselstuben oder auf dem allgegenwärtigen Schwarzmarkt Geld. Letzteres ist mir zu unsicher, die Erfahrung habe ich in Ägypten schon gemacht, als beim Nachzählen daheim nur wertlose Pfennigscheine unter den „richtigen“ versteckt waren. Man lernt dazu.

Nach einem weiteren Marsch durch die Stadt, verschiedenen Wegbeschreibungen verschiedener Leute folgend, finde ich tatsächlich ein Cambio, das noch dazu offen ist. Ich warte etwa 15 Minuten in der Schlange. Dann erklärt man mir, ein Foto meines Reisepasses reicht nicht, da nicht kopierbar. Ich also wieder ins Hotel  (20 Minuten) und Pass geholt. Am Rückweg entdecke ich eine Abkürzung (10 Minuten). Der Mitarbeiter ist sehr gewissenhaft und setzt die Daten meines Ausweises in verschiedene Abteilungen des gleichen Formulars ein, nachdem er ihn kopiert hat.  Danach darf ich in die zwei verbliebenen Abteilungen alle Daten noch einmal eintragen. Wohl gemerkt, alles auf dem gleichen Zettel.  Einen dieser Abschnitte bekomme ich am Ende zurück.  Toll, jetzt weiß ich meinen Namen und meine Passnummer! Dann gibt er mir einen weiteren Zettel, mit dem ich wieder Schlange stehen darf, um Geld zu bekommen. Check.

Jetzt Sight Seeing. Durch die belebte Einkaufsstraße Florida bis zu einer grünen Oase, der Plaza St. Martin, dann über diverse Schleichwege zur Plaza de Mayo. Dort sind an dem Monument immer noch alle Namen der in der Diktatur verschleppten und ermordeten Söhne der Mütter der Plaza de Mayo angebracht. Mittlerweile suchen die Frauen, die nach wie vor jeden Donnerstag dort zusammenkommen, ihre Enkel, die den Söhnen und Töchtern entrissen wurden und zur Zwangsadoption freigegeben, falls sie nicht auch ermordet worden sind. Bisher haben sie 127 gefunden. Trauma der Diktatur, es wirkt nun schon in die dritte Generation.

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Die Stadt könnte auch in Europa liegen. Sie ist  vielleicht am ehesten mit Madrid zu vergleichen, das liegt sicher zum Teil an der Sprache, aber auch an den hohen Prachtbauten. Der Lack blättert zwar an vielen Gebäuden und nicht alles ist schön, aber man kann durchaus vergangenen Ruhm erkennen. Zwischendrin sind dann wieder exorbitante Bausünden, insgesamt ist der Eindruck der Innenstadt aber doch recht prächtig.

Schwieriger ist es, eine SIM-Card zu kriegen. In jedem Laden, der auch nur ansatzweise wie ein Handyladen aussieht, weisen die Leute genervt zurück, dass sie sowas haben könnten. Englisch spricht sowieso kein Mensch hier. Wie die das hinkriegen, am modernen Leben ohne ein Wort Englisch teilzunehmen, ist mir schleierhaft. Vielleicht sind sie deshalb dauernd pleite. Nach längerem Suchen finde ich einen Menschen, der mir erklärt, dass ich eine SIM Card nur beim Provider bekomme, als da wären Movistar und Personal. Im Movistar-Laden schicken sie mich ans andere Ende der Stadt. In dem Laden, wo sie Handys verkaufen, gibt es natürlich keine SIM-Cards, wie komme ich darauf. Im richtigen Laden erklärt die Verkäuferin (auf Spanisch, aber notfalls verstehe ich das halt auch noch), dass ich nur 50 MB am Tag verbrauchen kann und ein Upgrade nicht möglich ist. Telefonieren geht sowieso nicht, nur Daten. Das alles dann für 1,50 € am Tag und was nach einer Woche passiert, wenn das Kontingent ausläuft, weiß sie nicht.

Ich gehe wieder.

Auf meinem weiteren Streifzug durch die Stadt stehe ich plötzlich vor einem „Personal“-Laden. Zu meiner grenzenlosen Überraschung haben sie SIM-Cards. Ich erhalte die obligatorische Wartenummer und darf 20 Minuten Platz nehmen. Dann holt mich eine freundliche junge Frau, die – o wie schön – Englisch spricht. Ich will wissen, was das jetzt kostet und – totale Überraschung – die Karte ist kostenlos. Ich muss sie nur aufladen mit einem Betrag meiner Wahl, mindestens ca. 8.- €. Dafür darf ich dann 100 MB am Tag verbrauchen und wenn die weg sind, kann ich einfach nachzahlen und zwar über die Homepage. Wie im richtigen Leben, sprich Asien, Australien, Europa! Hurra, da nehme ich doch gleich zwei, eine für Melli, eine für mich. Ich möchte sie gleich aufladen, damit die nette Frau das macht und ich nicht wieder an irgendeinem Schritt scheitere. Aber, klar, geht nicht. Nicht in diesem Laden. Gleich gegenüber sei ein Handygeschäft, da geht’s. Wenn ich nicht zurecht komme mit dem bezahlten Kontingent, darf ich wiederkommen.

Soweit, so gut. Hoffnungsfroh verlasse ich den Laden.

Gegenüber sind alle möglichen Geschäfte, aber nichts, was auch nur im entferntesten an einen Handyladen erinnert. Ich also zu den Geschäften zurück, an denen ich vorher gescheitert bin, unter anderem finde ich einen „Personal“-Shop. Nun ja, man soll ja nicht denken, dass ein Handyladen das ist, was wir uns so drunter vorstellen. Dort verkaufen sie Handys und Hüllen. Keine Kontingente. Im dritten Laden kann jemand Englisch. Man schickt mich – na klar, wieso bin ich da nicht von selber draufgekommen! – in die Apotheke gegenüber. Muss an den homöopathischen Dosen Internet liegen, die man mit so einer prepaid card bekommt.

Immerhin ist What’s App kostenlos, heißt, verbraucht kein Kontingent. Vielleicht komme ich so über die Runden.

Nach einen weiteren Spaziergang (insgesamt heute 15 km, ich bin ein Held!), beschließe ich, dass es für heute reicht. Was ich auf jeden Fall gelernt habe: Hier braucht man Geduld. Sehr viel Geduld.

Ein Gedanke zu „Buenos Aires“

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