Schwarzwald

Mittwoch, 10.6.2020

 

Nach langen Wochen des Lockdown, in denen wir nur in der näheren Umgebung verreisen konnte, wenn überhaupt, haben die Hotels wieder geöffnet. Auslandsreisen stehen ja noch nicht unbedingt zur Debatte, vor allem, weil das Ausland uns nicht reinlässt. Also lernen wir unsere Heimat mal kennen und beschließen, ein verlängertes Wochenende im Schwarzwald zu verbringen. Wir, das sind meine Tochter Julia und ich. Sie ist eine von der Krise direkt betroffene Solo-Selbstständige, hat also Zeit. Ich nehme sie mir. Während der langen Monate des Daheimbleibens habe ich festgestellt, dass es mit weniger Arbeit auch ganz gut geht und beschlossen, die Lückentage in Zukunft frei zu haben. Das passt gut.

Am Mittwoch abend hole ich Julia in Augsburg ab. Wir haben entschieden, nicht  die ganze Strecke auf einmal zu fahren, sondern erst einmal in Lindau zu bleiben. Da war ich noch nie, Schande über mich. Unser Hotel liegt direkt an einer Bushaltestelle, sehr angenehm, ich muss also zum Sightseeing und Abendessen nicht mehr Auto fahren. Der Bus bringt uns in die Altstadt, ein Städtchen, das ausschaut wie eine Märklin-Eisenbahn-Dekoration. Wir schlendern trotz strömenden Regens durch die Gässchen, kehren in einem netten Lokal ein und lassen es uns bei Spargel und Kartoffeln und Weißwein gut gehen.

Donnerstag, 12.6.2020, Fronleichnam

Am Donnerstag liegt die Stadt im Nebel, keine Spur von Blick auf den See.

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Also fahren wir am  zunehmend sonnigen Bodensee entlang nach Meersburg, wo uns die mittelalterliche Stadt mit einer lebendigen Fußgängerzone erwartet. Über uns thront die bestens erhaltene Burg, natürlich wollen wir die besichtigen, auch wenn wir auf dem gesamten Gelände Gesichtsmasken tragen müssen.

Die originalgetreu eingerichteten Säle und Küchen geben ein gutes Bild des Lebens im Biedermeier des 19. Jahrhunderts wieder, zur Zeit Annette von Droste-Hülshoffs, die hier einige Zeit gelebt und wunderschöne Gedichte geschrieben hat.

Nach soviel Geschichte drängt es uns zum leiblichen Wohl. Das ist nicht weit, wir kehren ein und erfreuen uns nach einem Spaziergang an der Promenade an guter bodenständiger Küche.

Nachdem wir uns gestärkt haben, fahren wir weiter, zuerst zur Donauquelle in Donaueschingen. Das Denkmal enthält ein Wasserbecken, das von einem Zufluss zur Donau genährt wird, eine der anerkannten Quellen, die etwa an dem Zusammenfluss von Brigach und Breg liegt. Eine weitere Quelle liegt im Schwarzwald in der Nähe von Furtwangen, die haben wir aber nicht mehr besucht.

 

Danach geht’s weiter zum Titisee, offensichtlich eine der Hauptattraktionen an der Schwarzwald-Hochstraße. Es ist recht voll, die Cafés haben kaum übrige Plätze, man mag sich gar nicht ausmalen, was hier in normalen Jahren los ist, wenn nicht nur einheimische Touristen die Strandpromenade entlang schlendern. Julia möchte stilecht ein Tretboot mieten, das machen wir dann auch, um Eiskaffee und Erdbeerkuchen wieder zu neutralisieren.

Unser Hotel Thälerhäusle-Ochsen liegt bei Furtwangen-Neukirch, außerhalb der Ortschaft mitten in der Landschaft. Vom Balkon unseres Zimmers sieht man auf eine Wiese, die durch ein Bächlein geteilt wird, sanfte Hügel und natürlich schwarze Tannen überall. Eine Idylle.

Ich bin begeistert, die Landschaft ist so ganz anders als in den Alpen, viel sanfter und dunkler. Ein paar Kühe stehen herum und läuten leise. Die badische Küche hält, was die schwäbische verspricht.

Freitag, 13.6.2020

Wir nehmen uns vor, am Freitag eine Wanderung zu machen, den Wanderführer haben wir vom Hotel bekommen. Einige Kilometer laufen wir an einer kleinen Landstraße durch den Wald entlang, die allerdings kaum befahren ist. Dann, nachdem wir an einem Gehöft vorbei sind, verlassen wir die Straße und gehen auf einem Waldweg weiter. Dort erreichen wir die erste Attraktion, den „Balzer Herrgott“, eine Christusstatue, die in eine Buche eingewachsen ist. Die Statue stand zuerst an einem anderen Platz, verlor aber bei einem Gewitter Arme und Beine. Daraufhin haben einige Männer sie an den Baum genagelt, der im Laufe der Jahrzehnte um den Corpus herumgewachsen ist. Ein Schreiner hat den Kopf wieder freigelegt und so ist es bis heute geblieben.

Nach dem recht langen Abstieg über Bergpfade kommen wir ins „Hexenloch“ auf der Talsohle. Wie zu erwarten findet sich hier ein schöner Biergarten an einer Doppelmühle, der vielen Motorradfahrern als Ziel dient. Hier ruhen wir uns nach etwa 10 km Wanderung aus, bevor wir den Rückweg antreten, der uns durch weitere Flusstäler und Bergwege aus dem Tal hinaus und hinauf wieder zum Hotel führt.

Da es erst früher Nachmittag ist, fahren wir anschließend die Schwarzwaldhochstraße nach Norden zur größten Kuckucksuhr der Welt bei Triberg. Das Spektakel ist eher was für Amerikaner, der Kuckuck kommt alle 30 Minuten heraus und ruft ein paar Mal, aber „weil es heute so voll ist, lasse ich ihn auch in der Viertelstunde rufen“, teilt uns der Inhaber mit. Außer uns ist noch ein Ehepaar da. Wir sind natürlich dankbar für den Service und fahren nach vollbrachtem Ruf wieder zurück.

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Unterwegs bleiben wir noch bei den höchsten Wasserfällen Deutschlands stehen, auch hier gilt Maskenpflicht im gesamten Gelände, was aber nicht wirklich nachvollzogen werden kann. Es ist ja alles draußen und auch nicht besonders voll. Aber sei’s drum, die Fälle sind hübsch anzusehen, wir steigen einmal rauf und runter und finden dann, dass wir uns jetzt, nach 18 km Wandern bergauf und bergab, einen Aperó auf der Hotelterrasse verdient haben.

 

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